Masken

Ihr Lieben,

 

in der „närrischen Zeit“ nehmen wir die Maskenträger sehr bewusst wahr, Masken in allen Facetten.

 

Schwieriger ist es hingegegen, die Masken unserer Mitmenschen zu erkennen. Für mich sind Masken kein wirklicher Schutz, ich denke, dass Masken verantwortlich sind für Missverständnisse und zwischenmenschliche Probleme.

 

Der Mensch hinter der Maske möchte nicht verletzt werden, deshalb versteckt er sich hinter der vermeintlichen Schutzmauer. Als Gegenüber spürt man die Distanz, deutet sie aber oftmals völlig falsch. Denn jeder Mensch hat seine wunden Punkte, mangelnder Selbstwert, Selbstzweifel beispielsweise und das beieinflusst unsere persönliche Wahrnehmung.

 

Ein Mensch mit Selbstzweifeln nimmt die Distanz des Maskenträgers persönlich und dann kommt diese Gedankenflut:“Der kann mich nicht leiden. Der ist böse mit mir. Ich bin nicht gut genug für den“ … und so weiter. Was da alles an Emotionen ausgelöst werden kann, das ist unüberschaubar und geht vom Minderwertigkeitsgefühl über die Schuldgefühle, bis hin zu Emotionen wie Wut, Zorn, Aggression, usw..

 

Denn beide Menschen sind verletzbare Seelen, können das durch die Maskendistanz aber nicht klar erkennen.

 

Ich würde mir wünschen, dass wir Menschen mutiger werden, unsere Masken ablegen und uns begegnen, so wie wir sind. Dass wir mutig sind, auch unsere zarte und verletzliche Seite zu offenbaren.

 

Denn das würde zu mehr Frieden und Liebe auf der Welt beitragen, davon bin ich überzeugt.

 

Distanz schafft Kriege, im Kleinen wie im Großen.

 

Nachfolgend noch ein sehr passender Text von Tobias Brocher (1917-1998), Psychoanalytiker und Sozialpsychologe.

 

Herzliche und unmaskierte Grüße von Seele zu Seele.
Iris Drechsel

28.01.2017


 

Die Maske

 

Bitte höre, was ich nicht sage!

Lass dich nicht von mir narren. Lass dich nicht durch das Gesicht täuschen, das ich mache. Denn ich trage tausend Masken - Masken, die ich fürchte abzulegen. Und keine davon bin ich. So tun als ob, ist eine Kunst, die mir zur zweiten Natur wurde. Aber lass dich dadurch nicht täuschen, um Himmels Willen, lass dich nicht von mir narren.

Ich mache den Eindruck, als sei ich umgänglich, als sei alles sonnig und heiter in mir, innen wie außen, als sei mein Name Vertrauen und mein Spiel Kühle, als sei ich ein stilles Wasser und als könne ich über alles bestimmen, so als brauchte ich niemanden.


Aber glaub mir nicht!

Mein Äußeres mag sicher erscheinen, aber es ist meine Maske. Darunter bin ich wie ich wirklich bin: Verwirrt, in Furcht und allein. Aber ich verberge das. Ich möchte nicht, dass es irgend jemand merkt. Beim bloßen Gedanken an meine Schwächen bekomme ich Angst und fürchte mich davor, mich anderen überhaupt auszusetzen.

Gerade deshalb erfinde ich verzweifelt Masken, hinter denen ich mich verbergen kann: Eine lässige, kluge Fassade, die mir hilft, etwas vorzutäuschen, die mich vor dem wissenden Blick sichert, der mich erkennen würde. Dabei wäre dieser Blick gerade meine Rettung. Und ich weiß es. Wenn es jemand wäre, der mich annimmt und mich liebt. Das ist das einzige, das mir die Sicherheit geben würde, die ich mir selbst nicht geben kann: dass ich wirklich etwas wert bin.


 

Aber das sage ich dir nicht. Ich wage es nicht. Ich habe Angst davor. Ich habe Angst, dass dein Blick nicht von Annahme und Liebe begleitet wird. Ich fürchte, du wirst gering von mir denken und über mich lachen.  Und dein Lachen würde mich umbringen. Ich habe Angst, dass ich tief drinnen in mir selbst nichts bin, nichts wert, und dass du das siehst und mich abweisen wirst.

 

So spiele ich mein Spiel, mein verzweifeltes Spiel: eine sichere Fassade außen und ein zitterndes Kind innen. Ich rede daher im gängigen Ton oberflächlichen Geschwätzes. Ich erzähle dir alles, was wirklich nichts ist, und nichts von alldem, was wirklich ist, was in mir schreit; deshalb lass dich nicht täuschen von dem, was ich aus Gewohnheit rede.

 

Bitte höre sorgfältig hin und versuche zu hören, was ich NICHT sage, was ich so gerne sagen möchte, was ich um des Überlebens willen rede und was ich nicht sagen kann. Ich verabscheue dieses Versteckspiel, das ich da aufführe. Es ist ein oberflächliches, unechtes Spiel. Ich möchte wirklich echt und spontan sein können, einfach ich selbst, aber du musst mir helfen. du musst deine Hand ausstrecken, selbst wenn es gerade das letzte zu sein scheint, was ich mir wünsche. Nur du kannst mich zum Leben rufen. Jedes Mal, wenn du freundlich und gut bist und mir Mut machst,  jedes Mal, wenn du zu verstehen suchst, weil du dich wirklich um mich sorgst, bekommt mein Herz Flügel - sehr kleine Flügel, sehr brüchige Schwingen, aber Flügel!

 

Dein Gespür und die Kraft deines Verstehens geben mir Leben. Ich möchte, dass du das weißt. Ich möchte, das du weißt, wie wichtig du für mich bist, wie sehr du aus mir den Menschen machen kannst, der ich wirklich bin, - wenn du willst.

 

Bitte, ich wünschte, du wolltest es. Du  kannst die Wand niederreißen, hinter der ich zittere. Du allein kannst mir die Maske abnehmen, Du allein kannst mich aus meiner Schattenwelt, aus Angst und Unsicherheit befreien, aus meiner Einsamkeit. Übersieh mich nicht.  Bitte übergeh mich nicht! Es wird nicht leicht für dich sein. Die lang andauernde Überzeugung, wertlos zu sein, schafft dicke Mauern. Je näher du mir kommst, desto blinder schlage ich zurück. Ich wehre mich gegen das, wonach ich schreie.  Aber man hat mir gesagt, das Liebe stärker sei als jeder Schutzwall und darauf hoffe ich.
 

Wer ich bin, willst du wissen?
Ich bin jemand, den du sehr gut kennst. Denn ich bin jedermann, den du triffst, jeder Mann und jede Frau, die Dir begegnen.

 

Aus "Von der Schwierigkeit zu lieben, Maßstäbe des Menschlichen" von Tobias Brocher
Kreuz Verlag Stuttgart, 12. Auflage, 1975, ISBN 3-7831-0465

 

 

Neue Rubrik:
Seelenerguss

 

 

Mein Engel sprach sein "Ja" zu meiner Erdenreise.
Mein Mut und Selbstvertrauen, sie dürfen darauf bauen.
Mein ganzes Tun beweise:
Auch ich sag klar und fest mein "Ja" ...

zu meiner Berufung.

 

Bitte beachten:

Vom 18.04. - 24.04.2018 bin ich nicht erreichbar!

 

 

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